Montag, 25. November 2013

Jahreslesung 2013


Am ersten Freitag im Dezember findet die Jahreslesung des Forums Hamburger Autoren statt. Nachdem ich letztes Jahr ausgesetzt habe, bin ich diesmal wieder unter den Lesenden. Außerdem gibt es Texte von Sigrid Behrens, Karen Köhler, Tanja Schwarz, Oskar Sodux und Silke Stamm.

Statt unseres üblichen Jahrbuchs haben wir uns mal etwas anderes einfallen lassen: Ein Päckchen mit "Jahreskarten" - mehr wird noch nicht verraten. Auch die Einzelpublikationen der Forumsmitglieder liegen natürlich wieder auf dem Büchertisch und können erstanden werden.

Die Jahreslesung findet am Freitag, den 6. Dezember (20 Uhr) im Kulturhaus Eppendorf statt. Der Eintritt beträgt 5,- Euro, und nach der Lesung warten wie immer zwei leckere Suppen auf die Zuhörer, sodass niemand hungrig nach Hause gehen muss.

Montag, 18. November 2013

"Herr Busfahrer, greifen Sie doch mal ein!"


Viele Leute sitzen lieber im Bus als zu stehen. Manche sogar um jeden Preis.

In den Hamburger Buslinien 9 und 262 in Richtung Wandsbek Markt gibt es fast nie einen Sitzplatz, wenn ich an der drittletzten Haltestelle zusteige. Häufig fährt der Bus inzwischen sogar ohne anzuhalten an mir vorbei, weil er überfüllt ist. Heute Morgen, um Viertel nach neun, gab es im 262er mit viel Gequetsche gerade noch ein paar letzte Stehplätze. An der Haltestelle Holzmühlenstraße stieg unter anderem ein Mann zu, der an Krücken ging und einen Schwerbehindertenausweis vorzeigte, mit dem er hoffte, den für solche Fälle vorgesehenen Sitzplatz direkt hinter dem Fahrer freigemacht zu bekommen. Doch die Platzinhaberin (ohne Schwerbehindertenausweis und ohne offensichtliches gesundheitliches Problem) verweigerte hartnäckig das Aufstehen.

Während der Busfahrer seine Verspätung aufzuholen versuchte, indem er bereits losfuhr, als er noch Fahrkarten an zugestiegene Fahrgäste ausdruckte, entwickelte sich ein lautes Streitgespräch zwischen der Sitzplatzinhaberin und einigen stehenden Fahrgästen. "Herr Busfahrer, greifen Sie doch mal ein!", verlangte die Wortführerin der Stehenden schließlich. Nach einer kleinen Unmutsäußerung tat dies der lenkende und zugleich Fahrkarten ausgebende Busfahrer. Wenn jemand einen Schwerbehindertenausweis habe, rief er nach hinten, solle man demjenigen den Platz freimachen. Der Mann mit den Krücken schwankte derweil bedrohlich hin und her und wurde - da hatte die Enge im Bus mal ihr Gutes - hauptsächlich durch die umstehenden Fahrgäste aufrecht gehalten.

Doch selbst nach der Ansage des Busfahrers weigerte sich die Sitzende, ihren Platz freizugeben. Sie sei auch krank, habe "Probleme mit Lunge, mit Herz, mit allem" und bekäme bald ebenfalls einen Schwerbehindertenausweis. Abnehmen wollte ihr das keiner so recht. "Selbst wenn", brachte es die Wortführerin auf den Punkt, "jetzt haben Sie keinen". Es fehlte nicht viel, und einige hätten die behauptete Kranke gewaltsam vom Sitz gezerrt. Zumindest die Probleme mit der Lunge waren bei ihrem stimmgewaltigen Gekeife aber auch schwer nachzuvollziehen. Und für ihr Herz wäre es vermutlich besser gewesen, die Streiterei bleiben zu lassen. Vielleicht auch, acht bis zehn Kilo abzunehmen.

Irgendwann gab man es auf, die Frau von ihrem Sitzplatz vertreiben zu wollen. Ein anderer Fahrgast machte seinen Platz für den Mann frei.

Ich habe in den völlig überfüllten Bussen in Richtung Wandsbek Markt schon einiges an Aggressionen miterlebt. Immer wieder einmal kommt es vor, dass sich der halbe Bus an irgendeiner Sache hochschaukelt. Aber wen wundert es, dass bei der herrschenden Enge die Fetzen fliegen und jemand Federn lassen muss: Kleingruppenhaltung.

An dieser Stelle mal ein Tipp an den HVV: Die Busfahrpläne an die in den letzten Jahren rasant angestiegenen Fahrgastzahlen anzupassen, würde zwar nicht gegen die Engstirnigkeit mancher Menschen helfen, könnte aber so einigen Situationen die Schärfe nehmen.

Donnerstag, 1. August 2013

Weichspülerfrösche


Früher war die TV-Werbung zwar auch nicht unbedingt besser als heute, aber immerhin eingängiger. Da gab es in unverdünntem Geschirrspülmittel badende Hände, in Milch schwimmende Schokoriegel, und die Ergiebigkeit des Weißen Riesen wurde anhand schneeweißer Bettlaken demonstriert, die an endlos langen Wäscheleinen über grüne Wiesen flatterten. Das versteht man. Das behält man im Kopf. Und dass die dazugehörigen Werbetexte in korrektem Hochdeutsch formuliert daherkamen, war eigentlich nur eine nette Beigabe.

Heute fehlen sie meist, die eingängigen Bilder. Was aber noch viel schlimmer ist, man muss die Texte erst einmal übersetzen. Englisch, das keines ist, stellt hierbei noch das geringste Problem dar, deshalb will ich darauf auch gar nicht näher eingehen. Viel gravierender verhält es sich nämlich im Bereich der deutschen Sprache. Dass "so 'ne fettige Fanne" niemand freiwillig spült, ist kein Wunder. Wenn die Muskulatur im Mund schon derart träge ist, dass sie kein 'Pf' mehr artikulieren kann, wie muss es dann erst um die Hände bestellt sein!

Dramatisch für das beworbene Produkt wird es allerdings, wenn die schludrige Aussprache kontraproduktiv zur beabsichtigten Werbewirkung ist. Wer möchte denn bitteschön, wie Spee es propagiert, jede Menge "Weichspülerfrösche" in seiner Wäsche haben? Da kommen Bilder auf, die schon einen gewissen Ekelfaktor haben.

Ach, übrigens... Dove ist jetzt ganz toll, denn "es enthält Deep Care Complex". Mein erster Gedanke war: Da fehlt doch Artikel, oder? Wenn Dove den oder einen Deep-Care-Complex enthielte, könnte ich damit leben. Aber kann etwas Komplex enthalten? Wenn das stimmt, kriege ich Komplexe.

Doch der gewiefte Leser hat es sicher längst bemerkt: Diese Art der Werbung hat bei mir zweifelsohne ihr (hinter)listiges Ziel erreicht. Pril, Spee und Dove sind in meinem Kopf - und dort nicht mehr wegzudenken. Eine seltsame Aussprache, ein fehlendes Wörtchen im Text, und schon horche ich auf. Wenn dieses Prinzip erst mal die Süßwarenhersteller spitzkriegen, wird es gefährlich. Bei Süßkram kaufe ich nämlich, im Gegensatz zu Waschmittel, Spülmittel und Körperpflegeprodukten, oftmals mehr als nur eine Packung auf Vorrat.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Neue Autorenfotos





















Dienstag, 25. Juni 2013

Neue Weblesung


Wer meine Lesungen aus dem aktuellen Lyrikband verpasst hat, der kann sich ab heute bei den Weblesungen der Hamburger Kulturbehörde drei Gedichte aus dem Buch anhören.

Alle anderen können es auch.

Weblesung "dezimierung der einmachgläser"

Mittwoch, 12. Juni 2013

Liederzyklus JETZT


Zwanzig Gedichte junger deutscher Lyriker hat Stephan Stiens in seinem Liederzyklus JETZT vertont, darunter auch mein Gedicht "europa : notausgang".

Hier die Details zur Uraufführung:

Sonntag, 30. Juni 2013, 20:00 Uhr
JETZT Liederzyklus von Stephan Stiens
20 Lieder für Bariton und Gitarre
nach Gedichten von jungen deutschen Lyriker/Innen
Wolf Matthias Friedrich, Bariton
Stephan Stiens, Gitarre
Kleiner Konzertsaal Gasteig
Rosenheimer Str. 5, 81667 München
Eintritt: 15 €
Unterstützt durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Tonkünstlerverband München e.V.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Lyrik zur TeaTime


Sonntag, 02.06.2013, 17.30 Uhr
TeaTimeLesung

Arne Rautenberg und ich lesen aus unseren im Horlemann Verlag erschienenen Lyrikbänden.
Eine Veranstaltung des Literaturzentrums Hamburg.
Ort: Literaturhaus Hamburg, Schwanenwik 38
Eintritt: Euro 7,- /erm. 4,-
Kartenreservierungen unter Tel. 2 27 92 03 / 207 69 037 oder Fax 229 15 01

Das Literaturzentrum schreibt zu meinem Buch:
Reflexionen, Erinnerungen, Beziehungen - In Myriam Keils zweitem Gedichtband geht es vielfach um die Verortung des oft wackeligen Selbst und des Gegenübers, die Wahrnehmung von Räumen der Vergangenheit. Die Urbanität als Ort der Selbsttäuschung, Schnelllebigkeit und des Konsums ist ein großes Thema.

Dienstag, 23. April 2013

"Harburger AusLese" mal anders


Am nächsten Montag ist es soweit - bei der Harburger AusLese lese ich Kurzgeschichten und stelle meinen neuen Lyrikband "dezimierung der einmachgläser" vor.

Das ist aber nicht alles!

Damit der geneigte Zuhörer nach einem ermüdenden Arbeitstag noch die nötige Konzentration für Lyrik aufbringt, habe ich mir zur Auflockerung ein kleines Quiz einfallen lassen, das kaum mit Wissen, dafür aber viel mit Gespür und Glück zu tun hat. Der Gewinner erhält ein Exemplar meines ersten Lyrikbandes "ein platz am fenster".

Das alles am Montag, den 29.04.2013,
um 19.30 Uhr in der KulturWerkstatt Harburg.

Mittwoch, 13. März 2013

dezimierung der einmachgläser


Pünktlich zur Buchmesse erscheint mein neuer Lyrikband.

Erstmals vorstellen werde ich ihn am 16. März in Leipzig (Schumann-Haus, Beginn 20.30 Uhr).




dezimierung der einmachgläser

96 Seiten, Klappenbroschur,
ISBN 978-3-89502-350-7,
Edition Voss im Horlemann Verlag,
Preis: 14,90 Euro


Dienstag, 5. März 2013

Meine Lesetermine im März / April


# Samstag, 16.03.2013, 20.30 Uhr
Leipziger Buchmesse / Leipzig liest

Schumann-Haus, Inselstr. 18, 04103 Leipzig (Ost)
Der Horlemann Verlag präsentiert die neue Reihe LYRIKPAPYRI: Gregor Däubler, Myriam Keil, Andreas Münzner, Arne Rautenberg, Sabine Schiffner und Ursula Teicher-Maier lesen aus ihren Gedichtbänden.
Moderation: Mathias Jeschke
Eintritt frei

# Samstag, 23.03.2013, Beginn 9.00 Uhr
Literarischer März 2013
Lyrik-Wettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis sowie die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise

Centralstation, Im Carree (Nähe Luisenplatz), Darmstadt
Literatur/Saal bestuhlt, freie Platzwahl
Lesungen sowie öffentliche Diskussion der Jury, Moderation: Insa Wilke (bis 17.00 Uhr)
(Beginn jeweils 9.00 Uhr, 11.15 Uhr und 15.00 Uhr)
Die Lesereihenfolge der 9 Finalisten wird am Vortag ausgelost.
Eintritt frei
Einlass 8.30 Uhr sowie in den Pausen zwischen den Lesungen (ca. 11.00 und 14.45 Uhr)
Veranstaltet von der Wissenschaftsstadt Darmstadt in Kooperation mit der Centralstation

# Sonntag, 21.04.2013, 17.05-18.00 Uhr
Hamburger Lokalradio
(96.0 MHz)
Lesung und Interview in der Sendung "Jazz und Literatur"

# Montag, 29.04.2013, 19.30 Uhr
Harburger AusLese

KulturWerkstatt Harburg, Kanalplatz 6, Hamburg
Lesung von Kurzprosa und Vorstellung des neuen Lyrikbandes "dezimierung der einmachgläser"
Eintritt 5,- Euro

Sonntag, 3. Februar 2013

Suchmeldung


WER WAR DER SYMPATHISCHE JUNGE MANN MIT DEM NETTEN LÄCHELN,
der am 30.01. bei meinem Literatur-Quickie im Feldstern war?

Er war allein da, hat mich unmittelbar nach dem Lesen angesprochen und leider auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Kurz darauf ging er, und niemand wusste, wer er war. Ich würde mich ihm gern nochmal auf dem richtigen Fuß präsentieren und bitte um sachdienliche Hinweise an meine E-Mail-Adresse! :-)

Donnerstag, 10. Januar 2013

Literatur-Quickie Nr. 219


Manchmal ist man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ob es um die Liebe geht oder um die Verlagssuche; manchmal wird man einfach gefunden. Am 30. Januar allerdings solltet ihr euch besser nicht auf Zufälle verlassen, da gibt es nur einen einzigen richtigen Ort in Hamburg, denn ich war fleißig und habe endlich mal wieder einen neuen Prosatext geschrieben. Passt genau in einen 17-minütigen Literatur-Quickie. Der findet dann auch statt.

Am 30.01.2013, um 22.02 Uhr.
Im Feldstern.
Der Eintritt ist frei. Also bringt am besten einfach mit, wen ihr unterwegs noch so findet. Vielleicht geht ihr danach ja nicht allein nach Hause. ;-)

Dienstag, 8. Januar 2013

Buchtipp "Nach dem Amok"


"Nach dem Amok" ist der Buchtipp von Tobias Sommer aus den gestrigen LeseZeichen im Bayerischen Fernsehen.




Sonntag, 25. November 2012

Wahrheiten aus Täuschland


Das 22. Jahrbuch des Forums Hamburger Autoren erscheint in den kommenden Tagen. Ich war erstmals Teil der Jahrbuch-Redaktion; eine ganz wunderbare, wenn auch zeitintensive und bisweilen chaotische Erfahrung. Entstanden ist ein vielversprechendes und -haltendes Buch mit dem Titel "Wahrheiten aus Täuschland", das wie schon seine Vorgänger im Textem Verlag erscheint und von der Hamburger Kulturbehörde gefördert wird.

Inhalt:
Pünktlich zum Ablauf des Maya-Kalenders geben 13 Mitglieder des Forums Hamburger Autoren einen Einblick in ihre Wahrnehmung der Welt. Die Texte bewegen sich zwischen Wahrheit und Täuschung, die Grenze ist fließend. Fische wollen nicht sterben, Kinder nicht aufhören zu schreien und die Wutbürger halten Mahnwache. Ein Olivenbaum breitet seine Flügel aus, während andernorts beim Stehenbleiben des Glücksrads das Feuer eröffnet wird. "Wir haben uns nie zu fragen getraut, worin sich dein Märchen von der Wahrheit, von unserer Wahrheit, unterschied", heißt es in einem der Texte. Die Autoren des Forums trauen sich, diese Frage in ihren Entwürfen zu beantworten. Wahrheit ist relativ, aber zwischen den Zeilen überwindet sie bisweilen die Täuschung.



Wahrheiten aus Täuschland
Forum Hamburger Autoren: 22. Jahrbuch

116 Seiten, 7 Euro,
ISBN 978-3-86485-034-9,
Textem Verlag 2012


Mittwoch, 14. November 2012

Damenkränzchen mit Grog und Gebäck




Ohlsdorfer Friedhof mit Katrin und Jessica



Ohlsdorfer Friedhof, jetzt nur noch mit Katrin

Erkenntnisse:
- wiederholungswürdig
- schöne Männer küsst man gern
- nächstes Mal mehr Rum in den Tee

Dienstag, 30. Oktober 2012

Das Kalender-Nirwana


Neulich bei der Buchhandlung meines Nichtvertrauens im Wandsbeker Quarree ...

Ich kaufe jedes Jahr den Literarischen Katzenkalender von Schöffling. Selbst wenn die Welt untergehen soll und man deshalb ja gar keinen Kalender fürs nächste Jahr mehr bräuchte. Den Literarischen Katzenkalender 2013 zu erstehen, war mein erklärtes Ziel, als ich letzte Woche zu Thalia ging, der einzigen für mich unkompliziert zu erreichenden Buchhandlung.

Wie im vergangenen Jahr suchte ich die Kalender im Erdgeschoss, wo ich diesmal nur auf einige Hamburg-Kalender stieß. Der Wegweiser an der Rolltreppe bestätigte jedoch: Alle Kalender befinden sich im Erdgeschoss. Ich sah mich noch einmal ausgiebig um, fand aber keine sonstigen Kalendarien. Die Information war nicht besetzt, und nirgendwo lief jemand mit einem Namensschildchen herum. Also stellte ich mich an der Kasse an, um nach dem Objekt meiner Begierde fragen zu können. Eine Minute später:
- Guten Tag, ich suche den Literarischen Katzenkalender, aber ich kann hier nur ein paar Hamburg-Kalender finden.
- Die Kalender sind jetzt alle oben.
- Ach so. Ich hatte mich auf das Hinweisschild verlassen, wonach sie sich im Erdgeschoss befinden.
- Ja, die sind erst seit kurzem oben.

Und so rollte ich auf der Rolltreppe ins obere Stockwerk, um dort festzustellen, dass seit meinem letzten Kalenderkauf im Jahr zuvor das Kalendersortiment massiv erweitert worden war. Nämlich auf ungefähr 100 bis 120 verschiedene Kalendermodelle; Tierkalender, Landschaftskalender, Kunstkalender und vieles mehr, leider weder thematisch geordnet noch nach Verlag, kurz: ohne jede erkennbare Ordnung. Mir blieb nichts anderes übrig, als sämtliche Ständer, Wände und sonstigen genutzten Aufhängemöglichkeiten abzusuchen; ich habe selten so viele Winkel und versteckte Ecken gesehen wie in diesem Kalenderwirrwarr. Trotz umfangreicher Suche war kein Literarischer Katzenkalender auffindbar. Gleiches Spielchen wie bereits im Erdgeschoss: Die Informationsschalter waren nicht besetzt, und nirgendwo war jemand mit einem Namensschildchen zu sehen. Notgedrungen stellte ich mich nun auch hier oben an der Kasse an. Eine Minute später:
- Guten Tag, ich suche den Literarischen Katzenkalender, aber ich konnte ihn hier nirgends finden.
- Da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen, da müssen Sie an der Information fragen.
- Die Schalter sind hier oben beide nicht besetzt, und der im Erdgeschoss auch nicht.
- Es gibt hier oben noch eine dritte Information, ganz hinten, hinter dem letzten Regal. Dort habe ich vorhin jemanden gesehen.
- Vorhin, aha. Und Sie können mir wirklich nicht weiterhelfen?
(Ich empfand die Frage als zulässig, da sich gerade kein anderer Kunde an der Kasse aufhielt.)
- Nein, tut mir leid.

Also machte ich mich auf die Suche nach dem beschriebenen dritten Informationsschalter auf dieser Etage, den ich dann auch fand, hinter dem letzten Regal und sogar besetzt. Die Mitarbeiterin war mit einer Kundin beschäftigt, die sich ausführlich beraten ließ. Einige Minuten später:
- Guten Tag, ich suche den Literarischen Katzenkalender, aber ich konnte ihn hier nirgends finden.
- Der müsste aber eigentlich da sein.
- Ich habe wirklich alles abgesucht.
Die Mitarbeiterin musterte mich, schien zu überlegen, ob die Stärke meiner Brille ausreichend war, und durchforstete dann ihren Computer.
- Ah, da ist er. Wir haben fünf Exemplare davon hier.
- Ja, aber wo denn?
- Der hing eigentlich immer da drüben.
Die Mitarbeiterin deutete quer durch den Raum, der Fingerzeig hätte auf die Platzierung fast eines jeden der 100 bis 120 Kalendermodelle am anderen Ende des Raumes zutreffen können. Das bemerkte sie dann wohl selbst.
- Ich komm mal mit Ihnen.
Und dann suchte sie. Zuerst am vermuteten Standpunkt, dann im näheren Umfeld, schließlich in sämtlichen Ecken und Winkeln des Kalenderwirrwarrs. Dabei zog sie immer mal wieder einzelne Kalenderexemplare beiseite, in der vagen Hoffnung, dahinter könne sich eine Literarische Katze verbergen. Ohne Erfolg.
- Tja, ich finde ihn auch nicht.
- Wonach sind die Kalender denn geordnet? Nach Themen ja nicht, nach Verlagen offenbar auch nicht.
- Anfangs hatten wir mal vor, sie nach Verlagen zu sortieren.
- Wäre eine gute Idee gewesen.
- Ich kann den Kalender für Sie bestellen.
- Aber laut Computer gibt es hier doch fünf Stück!
- Tja, aber wo ...
- Ja, wo nur??
- Wie gesagt, ich bestelle ihn gern für Sie.
- Aber wer garantiert mir denn, dass der bestellte Kalender dann beim Abholen auffindbar ist? Ich besorge ihn mir doch lieber über Amazon.
(Zugegeben, das war ein bisschen gemein von mir, da die Mitarbeiterin durchaus bemüht gewesen war, aber ich bin eben auch nur ein Mensch.)

Unter ihrem pikierten Blick verließ ich die Buchhandlung meines Nichtvertrauens; nach immerhin knapp zwanzig Minuten, ohne ein einziges Buch in der Hand gehabt zu haben und ohne den Literarischen Katzenkalender 2013, der in fünffacher Ausfertigung in den Untiefen der Buchhandlung verschollen blieb. Vielleicht war das ja ein Zeichen. Für den kommenden Weltuntergang oder so. Man wird sehen. Der Untergang des Buchhandels ist ohnehin längst beschlossene Sache.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Ich sehe was, was du nicht siehst


Menschen, die ausdrücklich gesagt haben, dass sie mich nie im Leben wiedersehen wollen, tun sich keinen Gefallen, wenn sie weiterhin meinen Blog aufrufen oder bei Twitter meine Tweets lesen. Sie sehen dann nämlich nur, was sie sehen wollen, selbst wenn da gar nichts Entsprechendes ist, was es zu sehen gäbe.

Wer nichts über mein jetziges Leben weiß, muss sich nicht wundern, wenn das Internet ihn zu Trugschlüssen führt.

Übrigens: Ich komme auch mit unangenehmen Inhalten klar. Blog-Kommentare werden nur dann von mir gelöscht, wenn sie unbegründete Beleidigungen enthalten. "Verlogene Scheiße" sozusagen.

Freitag, 17. August 2012

Pussy Riot - Punk Prayer


Ich bin ja nicht gläubig.
Ich glaube nur, dass Putin weg muss.



Mittwoch, 4. Juli 2012

"Migranten hassen Hunde"


Neulich nach der Arbeit, im überfüllten Bus. Eine Frau mit großem Hund steigt ein. Ein Mann tritt zur Seite und überlässt dem Tier die Hälfte seines Stehplatzes.
Frau: "Da brauchen Sie gar nicht so böse zu gucken. Ich fahr 35 Minuten mit, bis Endstation."
Mann: "Aber ich schaue doch gar nicht böse."
Frau: "Doch, doch, Migranten hassen Hunde!"
Mann: "Aber nein ..."
Frau: "Ganz besonders die Afrikaner, die hier immer mitfahren!"
Die Frau beginnt einen umfangreichen Monolog über soziale Randgruppen mit Migrationshintergrund und deren Auftreten in der Buslinie 9.
Ich steige aus, im doppelten Wortsinn. Der "Migrant", dem ich akzentfreies Deutsch bescheinigen würde, hört derweil weiter der schwadronierenden Dame zu und bleibt die Ruhe in Person; vielleicht wegen des großen Hundes, vielleicht auch einfach deshalb, weil er ein netter Mensch ist.

Nach dem Aussteigen muss ich einen Park durchqueren, um zu meiner Wohnung zu gelangen. Es ist ein Park, in dem zu dieser Uhrzeit die Hunde den Menschen zahlenmäßig überlegen sind und das Zigarettenvorkommen seinen Tageshöchstwert erreicht. Meine Theorie ist ja, dass die meisten Hundehalter sich deshalb für einen Hund als Haustier entscheiden, weil sie mit ihrer Fluppe ohnehin an die frische Luft gesetzt werden. Da schlägt man mit einem Tier, das so geartet ist, dass es nicht alleine nach draußen geschickt werden kann, natürlich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Ich kämpfe mich also durch das, was Martin Rütter als "Quatsch-Geh-Runde" bezeichnet; im Rudel auftretende Hundebesitzer mit jeweils mindestens einem Kläffer an ihrer Seite. Natürlich steht man nicht auf der Wiese, sondern blockiert den Parkweg in Gänze - und selbstverständlich an einer der Stellen, wo sich eine Brücke befindet, so dass der gemeine hundelose Mensch keine Chance hat, auf die Wiese auszuweichen, sondern sich mitten durch den tratschenden/bellenden/knurrenden Pulk quetschen muss (und durch die Rauchschwaden der Glimmstengel). Wenn sich das Viechzeug dabei hochinteressiert dem zickzackgehenden Fremden widmet, ist keinerlei Intervention seitens der Besitzer zu erwarten. Dass sabbernde Hundeschnauzen an den Hosen nicht jeder mag, auf die Idee kommen Hundehalter nie.

Im Innenhof meiner Wohnanlage angekommen, kann ich endlich relaxen. Hier gibt es nämlich keine Hunde. Nur Kater Whisky sitzt wie üblich im Hof und wartet auf Einlass ins Nachbarhaus. Kriegt ein paar Streicheleinheiten und einen Katzenstick von mir, weil er mich für das tägliche Leid mit den Kötern entschädigt.

Falls es noch nicht deutlich genug geworden sein sollte: Ich hasse Hunde. Insbesondere das, was ihre unfähigen/rücksichtslosen/fahrlässigen Herrchen und Frauchen aus ihnen machen. Vielleicht sollte ich auswandern, dann könnte ich dem Satz "Migranten hassen Hunde" alle Ehre machen. Ich fange also schon mal an, Knoblauch zu essen und mich nicht mehr zu waschen. Das muss man so halten als Migrant. Die Schreckschraube aus dem Bus jedenfalls würde das bestimmt sofort unterschreiben; darauf wette ich zehn Katzensticks.

Montag, 4. Juni 2012

Inoffizieller Abschlussbericht


Irgendetwas fehlt noch. Nach meiner Rückkehr aus Mallorca hatte ich ständig das Gefühl, alles mögliche nicht festgehalten zu haben. Deshalb gibt es nun hier, fernab des offiziellen Arbeitsberichts an die Kulturbehörde, eine Zusammenfassung von überaus individuellen Eindrücken und Anekdötchen, die aus dieser besonderen Zeit stammen.

Habe ich in den ersten Tagen unserer Anwesenheit in Frau V.s wunderprächtiger Finca noch mit dem einzigen in Inca erhältlichen Heizlüfter für 36,99 € geliebäugelt, so wurde es nach einer Weile dann ja doch warm genug, um die T-Shirts auszupacken. Es hätte noch famoser sein können, wenn ich nicht als seit Jahren ausschließlich in Nordseegefilde Verreisende unbemerkt eine Sonnenallergie entwickelt hätte, die mir nun einen grässlichen Juckreiz bescherte. Fenistil war fortan mein ständiger Begleiter, und braun bin ich trotzdem nicht geworden, eher so etwas wie eine kuriose Mischung aus eierschalengelb, hellbeige und jeder Menge neuer Sommersprossen.

Ob der Erzherzog Ludwig Salvator auch so empfindliche Haut hatte? Er wirkt auf Darstellungen immer etwas blässlich. Dabei lädt sein Anwesen zum Lustwandeln in der Sonne ein. Man kann sich dort aber auch ein Schattenplätzchen suchen.



Geht natürlich auch in gekonnter Autorenpose:



Doch zurück zu "unserem" Anwesen. Hätten Hamburger Mietshäuser solche massiven Wände wie die Finca, gäbe es wahrscheinlich kaum noch Beschwerden über nachbarschaftliche Lärmbelästigung. Die Bauweise der mallorquinischen Türen und Fenster allerdings ist gewöhnungsbedüftig. Bei stürmischem Wetter klingeln trotz geschlossener Türen, Fenster und Fensterläden die schmucken Plättchen der Esstisch-Deckenlampe im Wind. Folglich lassen sich die lamentierenden Hähne im näheren Umfeld, die sich zwischen vier und sechs Uhr morgens gegenseitig verrückt machen, akustisch auch nicht wirklich aussperren.

Aussperren aus dem Garten der Finca kann man sie übrigens ebenfalls nicht. So fühlte ich mich an meinem Outdoor-Arbeitsplatz unter einem Johannisbrotbaum zuweilen beobachtet, drehte mich um - und sah dann einen ganz bestimmten Hahn samt seiner stets im Dreierpack auftretenden Hühnerschar hinter mir auf der Terrasse stehen. Nahezu geräuschlos beäugte man mich und fand es sehr irritierend, den Platz unter dem Baum, wo es sich gar herrlich picken und scharren lässt, einmal nicht für sich allein zu haben.

Ich sei eine Insel für mich, meint G.

Grund genug, um mich zu fragen: Passt eine Insel auf eine Insel? Obendrauf, mittenrein oder wieauchimmer?

Die Antwort muss lauten: Nicht ohne Fahrrad! Ein solches existierte zwar einst in der Finca, wurde aber letztes Jahr am Bahnhof von Inca entwendet. Die Polizei empfahl Frau V., sich auf den sonntäglichen Markt in Consell zu begeben, um dort für kleines Geld ein geklautes Fahrrad zu erwerben. Polizeiliche Förderung der Hehlerei sozusagen. Den durch Frau V. an uns weitergegebenen Tipp haben wir nicht umgesetzt, jedoch weniger aus Gewissensgründen, sondern weil ein Fahrrad nicht in unser Auto gepasst hätte und ich die 30 km von Consell zurück zur Finca meinen unberechenbaren Gelenken auf einem mit Muskelkraft zu betätigenden Vehikel nicht zugetraut habe. Aus den gleichen Gründen (und aufgrund der horrenden Mietpreise) kam ein Mietfahrrad nicht in Frage. Festzuhalten bleibt: Es scheint eine vermietungs- und hehlerfreie 30 km - Zone um die Finca herum zu existieren, zumindest in Bezug auf Fahrräder.

Das allerdings hält die Sportbegeisterten nicht ab. Die Hardcore-Radler gehören zum Landschaftsbild dazu. Meist im Rudel auftretend, quälen sie sich mit Vorliebe die Serpentinen hoch und werfen ihre leeren Trinkflaschen an den Straßenrand. Letzteres jedoch in aller Regel nur bei offiziellen Rennen, für die gerne mal unter Einsatz von Verkehrspolizisten irgendwelche Kreisverkehre abgesperrt werden, so dass man Umwege fahren muss, die man, wie könnte es anders sein, selbst herauszufinden hat.

Ach ja, die Verkehrspolizisten. Sie regeln nicht nur bei Radrennen, sondern auch nach Schulschluss und zu weiteren, mir unbekannten Anlässen. Es ist nicht verwunderlich, dass bei einer offenkundig stiefmütterlichen Behandlung von Hehlerei-Delikten derart viele Polizisten für die Verkehrsregelung eingesetzt werden. Irgendetwas müssen sie ja tun. So hat jedes Land seine Beschäftigungstherapie: Auf Mallorca regelt man den Verkehr, in Deutschland eskortiert man lieber, wie vergangenen Samstag in Hamburg, die Nazis bei ihren Demos.

Es gibt unendlich viele Grautöne auf dieser Welt.



Und so viele Möglichkeiten, dass man sich glatt verzetteln könnte.



Ich hätte keine Esskultur, konstatiert G. und stellt mir eine Untertasse für mein Kaffeegedeck hin.

Wie gut, dass wir eine Spülmaschine hatten. Der untere Teil war manchmal zu einem Viertel gefüllt mit Untertassen. Wenn die mal nicht abheben und einem um die Ohren fliegen! Das kann passieren, wenn man zuviel Túnel trinkt, den leckeren mallorquinischen Kräuterlikör. Wir haben eine 0,7 l - Flasche während unseres Aufenthalts geleert. Das ist gerade genug, um einmal täglich eine kleine Inspiration zu beziehen, aber die Untertassen am Boden zu halten.

Bodenständig war auch Antonia. Sie wollte nicht lächeln, sondern nur die Betten machen. Der jeweilige Zeitpunkt ihres Erscheinens war ein Mysterium, das keiner Gesetzmäßigkeit folgte. Dabei fällt mir ein: Die Gesetze, ein schönes Buch von C. Palmen, das ich in der Finca-Bibliothek erstöbert habe. Das erste Kapitel etwas zu langatmig, das letzte irgendwie unbefriedigend, dazwischen das Paradies.

Und sonst? Kater Roig, wohnhaft bei den Tropfsteinhöhlen von Campanet, sollte nicht unerwähnt bleiben. Dieses rotgetigerte Pelztier geht nur vor aufsässigen Kindern durch und ist ansonsten ein gegenüber Fremden sehr aufgeschlossener Zeitgenosse. Sogar noch mehr als die ca. zehn anderen Katzen, die dort leben. Wenn ich etwas Tierisches von Mallorca hätte mitnehmen dürfen, wäre es Kater Roig gewesen.

Den Kater habe ich nicht fotografiert. Dafür aber dieses possierliche Tierchen:



Ich kann verstehen, warum man nach Mallorca zieht. Ich kann auch verstehen, warum man wieder zurück kommt. Unter anderem ist das Essen ist ein guter Grund fürs Zurückkommen. Das einzige, was ich davon vermissen werde, ist die Gazpacho. Und zwar die Billigmarke des Eroski-Supermarktes. Nein, wirklich, dagegen lässt sich nichts einwenden. Endlich weiß ich, wie man Gemüse essen und gleichzeitig auch noch mögen kann. Nächstes Wochenende kaufe ich mir einen Pürierstab. Ganz abenteuerliche Mischungen und Würzungen werden in meiner Küche entstehen, ich seh’s schon vor mir. Immerhin bin ich auch die Erfinderin der Knabberkarotten mit Senf-Dip!

Du musst Liebesromane schreiben, sagt G.

Dies nach der Lektüre eines Manuskripts von mir, das ursprünglich ein Nicht-Liebesroman sein sollte. Ich schreibe ja lieber Nicht. Nicht-Liebesromane, Nicht-Jugendbücher und so weiter. Mit dem Nicht begeistert man selten Verlage, aber ich bin eben eher Nicht.

Deshalb liegt das Nicht in meiner Schublade und wandelt sich manchmal nach Jahren zum Weniger-Nicht. Man soll dem Leser schließlich Perspektiven geben. Und sich selbst.



Am Ende also wird alles gut. Man ist wieder zu Hause und hat gelernt, das Selbstverständliche zu vermissen, weil es woanders nicht selbstverständlich ist. Man hat Nicht zu Weniger-Nicht gemacht und ist sich ein bisschen mehr im Klaren darüber, was man eigentlich möchte.

Und wenn die Sonnenallergie zu schlimm wird, findet man Trost in dem Wissen, dass irgendwo garantiert Schatten ist. Man muss ihn nur finden.