Literatur ohne festen Wohnsitz.
Lyrikbrocken und Prosaschnipsel in loser Schüttung.
Und ganz Profanes.
Samstag, 5. März 2011
"Nach dem Amok" - Leseprobe
Wer schon mal vorab in das Buch reinlesen möchte, kann das auf den Seiten des Verlags tun, und zwar hier.
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Montag, 29. November 2010
Nach dem Amok
Entgegen der ursprünglichen Planung wird mein Jugendroman nun bereits im April 2011 erscheinen.
Und vorbestellen bei Amazon geht auch schon.

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Jahrbuch / Jahreslesung des Forums Hamburger Autoren
Das Forum Hamburger Autoren legt auch zur diesjährigen Jahreslesung wieder ein Jahrbuch vor. "Neuerdings weiß ich viel mehr" erscheint, wie schon das letzte Jahrbuch, im Textem-Verlag. Obwohl ich bei der Titelfindung nicht dabei war, da ich in den letzten Monaten so gut wie jedes Forumstreffen geschwänzt habe, hätte ich mir keinen besseren Titel wünschen können. Jeder bisherige Tag im Jahr 2010 hat sich für mich angefühlt wie dieser Titel. Manchmal hat das Älterwerden tatsächlich etwas für sich - auch wenn es den Rückblick mitunter schmerzhaft macht, lässt es hoffen für Gegenwart und Zukunft.
Die Jahreslesung des Forums findet am nächsten Freitag, den 3. Dezember (20 Uhr) im Kulturhaus Eppendorf statt. Ob ich lesenderweise mit von der Partie sein werde, steht noch nicht fest, das entscheide ich dieses Mal ganz spontan, da ich in diesen Tagen anderweitig noch einen dringenden Schreib-Endspurt hinlegen muss.

Neuerdings weiß ich viel mehr
Forum Hamburger Autoren: 21. Jahrbuch
135 Seiten, 7,- Euro,
ISBN 978-3-941613-38-6,
Textem Verlag 2010
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Dienstag, 9. November 2010
Lesung in Prag
Heute ein Lesungshinweis für alle, die Ende des Monats zufällig in Prag weilen. ;-)
Am 27. November lese ich im Goethe-Institut Prag. Spannend ist die Sache deshalb, weil es sich um "4-Augen-Lesungen" handelt. Jeweils ein deutscher und ein tschechischer Autor befinden sich zusammen in einem Raum (in diesem Fall die schnuckelige Kellersauna), in den dann immer nur eine einzelne Person vorgelassen wird. Diese kann wählen, ob sie ein deutsches oder ein tschechisches Gedicht vorgetragen bekommen möchte. Und während des Vortrags beäugen sich dann 4 Augen. Hmmm... Was die pausierenden Augen Nr. 5 und 6 wohl währenddessen tun? Vielleicht bleiben sie solange ja doch eher draußen vor der Saunatür. Ich lasse mich überraschen.
Die weiteren deutschen Teilnehmer an den 4-Augen-Lesungen sind Ann Cotten und Bert Papenfuß.
Nachtrag: Das komplette Programm ist mittlerweile hier zu finden.
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Montag, 1. November 2010
Die Gemüter der Busfahrer
So verschiedenartig die Hamburger Stadtteile sind, so unterschiedlich gestrickt sind auch die jeweiligen Chauffeure des nicht schienengebundenen Nahverkehrs. Wenn der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) gerade mal wieder Neueinstellungen von Busfahrern plant, flackern über die Bildschirme in den Bahnen und den U/S-Bahn-Stationen immer die Einstellungsvoraussetzungen: Unter anderem sollte der Hamburger Busfahrer demnach "Freude am Umgang mit unseren Fahrgästen" haben.
Die Altonaer Busfahrer scheinen diese Voraussetzung in aller Regel zu erfüllen. Im diesjährigen Sommer nahm ich an einem späten Samstagabend am Bahnhof Altona von meiner männlichen Begleitung noch im Bus Abschied, weil sich unsere Heimwege dort trennten. Ich selbst verblieb im Bus, um die Weiterfahrt in Richtung Wandsbek anzutreten. Nach dem Aussteigen meiner Begleitung drehte sich mein Busfahrer zu mir um und fragte halbwegs fassungslos: "Lässt du ihn allein nach Hause gehen?" "Ja", antwortete ich, "ich wohne in Wandsbek". "Kannst doch trotzdem mit ihm gehen!", entkräftete mein Busfahrer dieses schlagende Argument. Er fuhr mich dann ein bisschen enttäuscht nach Wandsbek Markt, wo seine Fahrt endete und ich in den nächsten Bus umstieg. Weiter als bis Wandsbek Markt würde sich kein Altonaer Busfahrer trauen. Denn hinterm Wandsbeker Markt liegt die humorfreie Zone.
Der 9er Bus, der von dort in ebendiese Zone startet, beherbergt Busfahrer, die scheinbar nicht die spezielle eingangs genannte Einstellungsvoraussetzung erfüllen, denn von Freude am Umgang mit den Fahrgästen ist da nichts zu spüren. Und schon gar nicht bekommt man von ihnen den gutgemeinten Rat zu einem samstagabendlichen Schäferstündchen. Der Wandsbeker Busfahrer am Samstagabend ist stumm, kontrolliert entweder übergenau oder aber mit desinteressiertem Seitenblick die Fahrkarten und fährt drei Sekunden zu spät kommenden potentiellen Fahrgästen vor der Nase weg. Anfangs dachte ich noch, dieses Verhalten sei einer gewissen Stoffeligkeit geschuldet. Doch dann fiel mir etwas auf. Wer als Fahrgast die Strecke ab Wandsbek Markt in Richtung Rahlstedt mitfährt, an einem späten Samstagabend, der kann eigentlich nur eines wollen: nach Hause. Etwas anderes gibt es da nämlich nicht. Und "nach Hause" geht, sitzt man erst mal im 9er Bus, nur in eine Richtung. Deshalb trennen sich die Wege von miteinander bekannten Heimfahrenden hier nur selten. Wer sich kennt, steigt zusammen ein und zusammen aus. Somit erübrigt sich für den Busfahrer jegliche Einmischung in die weitere Abendgestaltung, denn die 9er-Reisenden lassen niemanden ziehen - sie haben jemanden oder nicht. Was im Ergebnis bedeutet: Wandsbeker Busfahrer haben nicht etwa weniger Freude am Kontakt mit ihren Fahrgästen als Altonaer Busfahrer, sondern sie wissen eben ganz genau, dass sie keine Worte machen müssen, weil sie ihre Schäfchen auf jeden Fall in der vorgesehenen Sortierung ins Trockene bringen. Und wenn sie jemandem vor der Nase wegfahren, dann tun sie das auch nur, um demjenigen die Möglichkeit zu geben, bis zum nächsten Bus noch die passende Begleitung zu finden. Wandsbeker Busfahrer wissen, dass sie in einer Tour viel Gutes tun können. Dafür fährt man doch gern mal die Spätschicht am Samstagabend.
Inzwischen haben wir Herbst, ich wohne immer noch in Wandsbek und meine damalige Samstagabendbegleitung begleitet nun häufiger meine Samstagabende. Den fürsorglichen Altonaer Busfahrer habe ich nicht wiedergesehen. Vielleicht ist er nach Pinneberg oder Harburg versetzt worden. Brauchen könnte man ihn dort sicher zur Steigerung der Geburtenzahlen. Also, indirekt, weil er ja so gerne den Kuppler spielt.
Und kürzlich hat doch tatsächlich bei Tagesanbruch ein Wandsbeker Busfahrer meinen morgendlichen Gruß erwidert. Nicht mit einem gequälten Nicken oder einem genuschelten Was-auch-immer, sondern mit einem deutlichen "Moin!". Es geschehen noch Zeichen und Wunder.
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Denkpausen
Mittwoch, 27. Oktober 2010
"Schräge Chansons 2"
Bald ist es soweit. Am 15. November findet die Uraufführung der Schrägen Chansons 2 im OFF-Theater in Wien statt. Die KomponistInnen von Ambitus - Gruppe für neue Musik haben Texte von H.C. Artmann, Andrea Heuser, Myriam Keil, Renate Schön, Gabriele Trinckler und Siegfried Voellger vertont.
Am 16. November gibt es ein weitertes Konzert mit den Schrägen Chansons 2 (Haus Gnad, Goldmarkplatz 8, ebenfalls in Wien). Dies wird übrigens das 100. Ambitus-Konzert sein. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!
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Hörbares
Montag, 4. Oktober 2010
werbepausendichten IV
die haut liegt anders überm körper ein gewicht
verloren im dritten quartal das rechnet sich
mit den monaten während das warten weitergeht
auf diesem weg kann man es längst in gramm
beschreiben wie die verkäuferin an der fleischtheke
darf's auch etwas weniger sein heute im angebot
schon wieder nur die flechsigen randstücke
mit zu viel knochen dabei möchte man doch etwas
zartes schmecken das sich nicht mehr wehrt
© Horlemann Verlag, 2013
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Lyrikbrocken
Samstag, 2. Oktober 2010
Toni Jordan // Tausend kleine Schritte
Grace zählt. Schritte, Bissen, Zahnbürstenstriche. Und alles muss die 10 beinhalten. Im Supermarkt 100 Bohnen einzeln in die Tüte zu zählen, ist umständlich und zeitraubend. 10 Pakete Waschpulver nach Hause zu schleppen, ist Schwerstarbeit. Doch auf diese Weise "vermisst" Grace ihre Welt, so ordnet und kontrolliert sie ihr Leben. Ihrer Arbeit als Lehrerin kann sie mit diesem Zwang inzwischen nicht mehr nachgehen, und so etwas wie ein Sozial- oder gar Liebesleben hat sie schon lange nicht mehr. Erst als sie Seamus trifft, dem sie im Supermarkt eine Banane aus dem Einkaufskorb klaut (sie hatte versehentlich nur 9 Stück in ihren Wagen gepackt), ändert sich ihr Leben. Für Seamus will Grace das Zählen aufgeben. Doch die Antidepressiva bescheren ihr zwei Gehirne, und das hält keine Beziehung lange aus...
Zu diesem Buch also mal keine klassische Rezension (aber ich bezweifle ohnehin, dass ich je eine klassische Rezension geschrieben habe), sondern ein... Brainstorming!
Jeder Mensch auf der Welt sollte dieses Buch lesen.
Und wie stellen wir das an? Buchtipp twittern? Mach dich nicht lächerlich.
(Buchtipp wurde sodann getwittert, Anm. d. Red.)
Falls Grace twittert, muss sie bestimmt immer 10 Tweets auf einmal absetzen.
Ach, ich wünschte, ich hätte dieses Buch geschrieben.
Hast du aber nicht. Myriam, du wirst niemals eine Schriftstellerin sein. Weil du niemals so ein Buch schreiben würdest. Könntest. Beweise das Gegenteil. Na siehste.
Da kann man auf ein und derselben Seite sowohl lachen als auch weinen.
Ich hatte ja auch mal eine Zählphase. Bei mir war es nicht die 10, sondern die 15. Beziehungsweise ein Satz mit 15 Silben, er stammte aus dem ersten Buch, das ich eigenständig gelesen habe. Da war Pumuckl mit Meister Eder in einem Spiegelkabinett und betrachtete sich in verschiedenen Zerrspiegeln. >>Lie-ber bin ich wie ein Schlauch, als klein und rund mit dik-kem Bauch.<< Das war mein Satz. Er passte genau auf die Treppe im Haus meiner Oma, die vom Erdgeschoss nach oben führte. 15 Stufen. Mit Pumuckl. Jahrelang. Und auch draußen folgten meine Schritte diesem Satz. Zum Glück habe ich keine Bohnen gezählt.
Ich will auch Sex auf dem Küchenfußboden!
Prima. Von Pumuckl zu Sex auf dem Küchenfußboden. Das nenne ich mal einen Gedankensprung.
Schluss jetzt! Das Buch muss man lesen. Nicht drüber reden.
Das war dann wohl eine weitere Rezension, die die Welt nicht braucht. Das Cover ist übrigens auch toll. Obwohl nur Orangen drauf sind. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wer von Euch, die das Buch gelesen haben, hat nicht versucht, die Orangen auf dem Cover zu zählen??!! Na???
Tausend kleine Schritte. Roman (TB)
Piper, München, September 2010
270 S., ISBN 978-3-492-25963-7, Preis 9,95 Euro
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Rezensionen (Literatur)
Freitag, 1. Oktober 2010
solange wir sind
[...]
der kaffee ist instant und ich bin
nicht geschaffen für das zählen
der muttermale auf deinem körper
von groß nach klein weil ich nicht weiß
bei welcher größe man aufhören sollte
dem bloßen auge zu vertrauen
der kaffee ist instant und ich bin
nicht geschaffen für das zählen
der muttermale auf deinem körper
von groß nach klein weil ich nicht weiß
bei welcher größe man aufhören sollte
dem bloßen auge zu vertrauen
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Lyrikbrocken
Donnerstag, 30. September 2010
Back in town!
Bin zurück aus dem Urlaub! Frei im Kopf und bereit für den Feinschliff am Roman. In ein paar Wochen ist Abgabeschluss...

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Freitag, 17. September 2010
"Lyrik ist zu vermeiden."
Dieser Satz findet sich auf dem Infozettel für die Autoren einer gewissen Hamburger Literaturveranstaltung. Nein, ich lese da nicht. Das überlasse ich anderen. Aber ich habe gerade entdeckt, dass ich genug Material für einen neuen Lyrikband zusammen hätte.
Etwas ratlos stand ich zunächst vor dem Manuskript, denn auf Verlagssuche habe ich aktuell überhaupt keine Lust. Außerdem, was macht man mit einem Lyrikband, wenn keiner etwas daraus hören will? Schon gut, ich übertreibe natürlich. Zumindest Lyriker hören sich hin und wieder schon ganz gern die Lyrik anderer Dichter an. Aber in Hamburg kann man die Lyriker mit der Lupe suchen. Zusammen mit den übrigen Lyrikinteressierten (die zudem gewillt sind, Eintritt zu zahlen) bilden sie wohl nur schwer ein ausreichendes Publikum für eine Lesung. Zu allem Überfluss wurde mir in den vergangenen Jahren von diversen Seiten zugetragen, dass ich in dieser Stadt ausschließlich als Lyrikerin gehandelt werde. Dass ich auch Prosa schreibe, sogar wesentlich mehr als Lyrik, merken offenbar die wenigsten. Im Gegensatz zu früher entwickle ich aber inzwischen auch keine Eigeninitiative mehr, um das zu ändern.
Fazit: Erst mal Schublade, liebes Lyrik-Manuskript. Aber so schlimm ist das gar nicht. Ich habe nämlich erst kürzlich festgestellt: Fast alles ist wichtiger als Schreiben, und alles ist wichtiger als Veröffentlichen. Und das gilt nicht nur für Lyrik. Btw, in diesem Jahr habe ich keinerlei Texte an Literaturzeitschriften geschickt. Und mir fehlt nichts, im Gegenteil. Alles ist da.
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Montag, 13. September 2010
*
[...] und ich möchte
unseren stunden einen raum geben
in dem immer licht ist
wie in einem kühlschrank dieses licht
von dem niemand wirklich glaubt
dass es beim schließen einer tür erlischt
die eine blinde wahrheit schützt
unseren stunden einen raum geben
in dem immer licht ist
wie in einem kühlschrank dieses licht
von dem niemand wirklich glaubt
dass es beim schließen einer tür erlischt
die eine blinde wahrheit schützt
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Lyrikbrocken
Montag, 6. September 2010
Hörproben auf MySpace
Vor ein paar Wochen bin ich losgezogen, um ein Mikro zu kaufen. Hintergrund der Aktion war mein Vorsatz, endlich mal ein paar Texte einzulesen und online zu stellen. Das habe ich dann auch getan, zumindest zwei Stück. Mehr war bisher aus Zeitgründen leider nicht drin, aber irgendwann sollte ich es schaffen, den Hörproben-Pool noch etwas auszubauen. Im Moment eher nicht, da der Abgabeschluss für den Roman näher rückt und außerdem neuerdings auch öfter mal ein netter Herr meine spärliche Freizeit versüßt, so dass ich das Mikro vorübergehend in den Schrank gepackt habe.
Den ersten beiden aufgenommenen Texten kann man auf meinem MySpace-Account lauschen, den ich kürzlich neu angelegt habe, und auf selbigem freue ich mich auch über neue Buddies. :-)
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Hörbares
Montag, 16. August 2010
the way i never lit your cigarette
- für torben -
jeden tag, wenn ich für dich zur raucherin
werden möchte, versperren meine hände
den weg zum mund, deine sehnsucht
spielt auf einem höheren level,
das ich nicht erreichen kann, ohne alles
zu verlieren, woran ich glauben möchte,
ist es zeit oder ist es das, was ich für dich
sein könnte, eines tages oder nie, und hat
schon mal jemand so an dich gedacht: ich will
die zigarette zwischen deinen fingern sein,
die so vertraut geworden ist, dass du
ihr fehlen bis nach innen spürst.
© Horlemann Verlag, 2013
jeden tag, wenn ich für dich zur raucherin
werden möchte, versperren meine hände
den weg zum mund, deine sehnsucht
spielt auf einem höheren level,
das ich nicht erreichen kann, ohne alles
zu verlieren, woran ich glauben möchte,
ist es zeit oder ist es das, was ich für dich
sein könnte, eines tages oder nie, und hat
schon mal jemand so an dich gedacht: ich will
die zigarette zwischen deinen fingern sein,
die so vertraut geworden ist, dass du
ihr fehlen bis nach innen spürst.
© Horlemann Verlag, 2013
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Lyrikbrocken
Donnerstag, 12. August 2010
Darf's auch etwas weniger sein?
Woran merkt man, dass man abgenommen hat?
a) Die Hosen werden zu weit.
b) Der Hintern tut bei längerem Sitzen auf harten Stühlen weh.
c) Die Waage zeigt weniger an.
Man merkt es an a), b) und c). Und zwar in genau dieser Reihenfolge, wenn man - wie ich - nicht regelmäßig auf die Waage steigt. Da hat man eine Zeitlang keinen rechten Appetit, und schwupps... sind einem 5 Kilo abhanden gekommen. So kann es gehen.
Moment mal, ich habe d) vergessen: Der Arzt, vor dem man die - zu weiten - Hosen runterlässt, sagt entsetzt: "Haben Sie abgenommen?". Da hilft dann auch kein: "Nö, ich tu nur so."
Ich interveniere jetzt also und esse Blaubeeren mit Sahne. Selbstgeschlagene Sahne, nicht das eklige Spühzeugs aus der Dose. Hat die Collien Fernandes nicht mal gesagt, sie wolle auf Astronautennahrung umsteigen, um zuzunehmen? Lass dir sagen, liebe Collien: Blaubeeren mit Sahne machen bestimmt wesentlich mehr Spaß. Vor allem, wenn noch selbstgebackene Waffeln dabei sind. Ischwör!
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Denkpausen
Donnerstag, 24. Juni 2010
Vorübergehend geschlossen.
Ich ziehe mich vorübergehend aus dem WWW zurück. Ich habe gemerkt, dass die Löschung meiner FB-Seite und die Privatisierung meiner MySpace-Seite nicht ausreichend war, um meinem Bedürfnis nach Rückzug und persönlichem Freiraum gerecht zu werden. Ich habe derzeit nichts zu sagen und komme erst wieder, wenn sich das ändern sollte. Gilt mit Einschränkungen auch für E-Mails.
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Wegweiser
Donnerstag, 17. Juni 2010
werbepausendichten III
dann wirfst du das wort in den raum
das ganz allein den staubsaugerbeutel füllt
ich habe angst vor spinnen und wage nicht
ihn zu öffnen diesen mund dieses herzloch
durch das alles hinausströmt
an einen ort den ich nie bewohnen wollte
mitten in deinem kopf mitten auf einem
spielbrett dem die hälfte der figuren fehlt
© Horlemann Verlag, 2013
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Lyrikbrocken
Montag, 14. Juni 2010
Gefühle eines endlosen Tages
Heute habe ich einen alten Text wiedergefunden. Es war der erste Prosatext, den ich in meinem Leben geschrieben habe. Er wurde in einer Anthologie veröffentlicht, und dann habe ich ihn vergessen. Als ich ihn nun nach etlichen Jahren zum ersten Mal wieder gelesen habe, wurde mir bewusst, dass es noch immer der Text ist, der am meisten ICH ist, dass ich bei keinem späteren Text näher bei mir selbst war.
Ein Satz aus der Geschichte lautet: Manchmal wünsche ich mir, keine Gefühle zu haben und niemals wieder jemanden lieben zu müssen.
Das soll ich damals geschrieben haben?, dachte ich. Das habe ich doch gerade erst begriffen, erst gestern oder letzten Monat, meinetwegen letztes Jahr, aber doch keinesfalls schon damals!
Aber ich wusste es damals schon. Sonst stünde es ja nicht in diesem Word.doc aus dem Jahr 2001. Diese Erkenntnis hat mich sehr erschreckt, denn: Wie kann man das immer wieder vergessen, wo man es doch schon so lange weiß? Wie kann man die gleichen Fehler immer wieder machen, immer wieder lieben, immer wieder Vertrauen haben?
Hier ist der Anfang der Geschichte "Gefühle eines endlosen Tages", die bei mir in eine Endlosschleife getreten ist, in der sie sich auch heute noch ständig wiederholt, nur in Nuancen abgewandelt, in Nebenrollen, Uhrzeigern oder Fahrplänen:
>>Ein schnarrendes Geräusch, als die große Uhr vor dem Bahnhofsgebäude auf 7.14 Uhr springt. Ich stehe auf einer Straße, die keine ist, in einer Welt, die ich nicht mehr lieben kann. Menschen gehen an mir vorüber, sie sind blaß und durchsichtig, ihre Haare sind grau, ihre Gesichter zerknittert, ihre Augen trüb und leblos. Irgendwo hält ein Zug, die Leute steigen ein, weil sie nicht wissen, daß alle Züge immer nur im Kreis fahren. Ich weiß es, doch ich bin es müde geworden, Erklärungen abzugeben. Als ich eines Tages bemerkt habe, daß ich nicht mehr weinen kann, bin ich nicht einmal überrascht gewesen. Ich kannte das von den anderen. So fängt es immer an.
>>Ein Windstoß fegt ein paar der Papiermenschen davon. Es geht mich nichts an, doch es schmerzt mich. Ich sehe ihnen nach, als sie im Nichts verschwinden; es ist, als hätte es sie nie gegeben. Wieso habe ich versäumt, ihnen übers Haar zu streichen, einmal ihre Hand zu halten? Seltsam, jemanden nie gekannt zu haben und ihn so sehr zu vermissen.
>>Die schwere Kirchturmglocke schlägt dreimal. Ist es tatsächlich 7.45 Uhr oder bilde ich es mir nur ein? Kann ich den unzähligen Zifferblättern glauben, auf denen überall der kleine Zeiger kurz vor der Sieben steht? Meine digitale Armbanduhr sagt mir unmißverständlich, daß der Tag erst begonnen hat, obwohl ich so müde bin, wie man es eigentlich nur am späten Abend sein sollte.
>>Um mich herum spielen Kinder, ein blutroter Ball fliegt zischend durch die schwere, vom Nebel getrübte Morgenluft; fast kann ich ihn schreien hören. Ich sollte nach Hause gehen, denke ich, ich fühle mich heute nicht besonders. Aber wo ist mein Zuhause?
>>Die Kinder sind in ihr Spiel vertieft und nehmen mich überhaupt nicht wahr, obwohl ich mitten unter ihnen stehe. Plötzlich fliegt der Ball geradewegs auf mich zu, glitzernd spiegeln sich Fragmente des bleiernen Himmels auf seiner bis zum Zerreißen gespannten Haut. In einem Reflex strecke ich meine Hände nach vorne, um ihn aufzufangen, mir ist, als müsse er in tausend Stücke zerspringen, sollte er auf den gnadenlosen Asphalt der Straße auftreffen. Dutzende kleiner, spitzer Steinchen würden ihn gierig aufspießen, Löcher in ihn hineinbohren, bis er Sprünge bekäme, bis diese Sprünge Fortsätze ausbildeten, über ihn kriechende Spinnentiere, die seine Einheit in Millionen kleinster Bruchstücke zerbersten lassen würden.
>>Aber ich werde ihm dieses Schicksal ersparen, gleich wird er meine rettenden Hände erreichen. Ich greife zu, spüre schon seine feste, kühle Entschlossenheit zwischen meinen Fingern, als meine Hände plötzlich völlig unerwartet in ihm versinken, als ich nichts zu fassen bekomme außer einer brennenden Leere in meinen Handflächen. Hilflos sehe ich seine stolze Gestalt der Erde entgegenstürzen, bis er schließlich jammernd auf den Boden klatscht und beginnt, immer wieder in neue wahnwitzige Formen wechselnd, hinter mir auf den kalten, spitzen Steinen herumzukriechen. Ich starre verständnislos auf meine Hände, die ebenso verständnislos zurückblicken. Was ist geschehen?
>>Eines der Kinder ist inzwischen dem Flug des Balles gefolgt. Es rennt auf mich zu, scheint das Hindernis vor sich gar nicht zu bemerken. Ich will ausweichen, schaffe es jedoch nicht mehr. Mit einem lautlosen Aufschrei fließe ich, ohne irgendeine Art von Widerstand zu bilden, durch den mich durchdringenden Körper hindurch, und würde ich die heißen Tränen nicht spüren, die mir in diesem Moment in die Augen schießen, ich könnte nicht mehr an meine Existenz glauben.
[...]
Beim heutigen Lesen des Textes hatte ich den Eindruck, ich hätte die Geschichte anders beginnen lassen sollen, sie hätte schon an einem früheren Zeitpunkt des Tages einsetzen sollen. Morgens nach dem Aufwachen, wo man einen Augenblick lang glaubt, dass alles nur ein böser Traum gewesen ist. Wo man überzeugt ist, nur die Hand ausstrecken zu müssen, um jemanden berühren zu können, der so selbstverständlich neben einem liegen sollte, dass es gar nicht anders sein kann.
Denn mit diesem ersten Moment steht und fällt alles. Der ganze endlose Tag.
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Sonntag, 13. Juni 2010
8-#
Es gibt Tage, an denen ich die Protagonisten meiner Geschichten bis ins Letzte verstehe. Das sind die Tage, die mir Angst machen, weil es kein Limit mehr gibt und keine Konsequenzen, für nichts.
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Samstag, 12. Juni 2010
tinnitus, tag achtzehn
schon stechen die absätze
in den ohren ihren stöckeltakt, erinnern
nur an das geräusch von eh und je,
das märchen von den roten schuhen, tanz,
tanz weiter, bis du deine füße nicht mehr
haben willst. ein fluchtversuch, das sammeln
verirrter kassiber oder auch: mit diesem
ekel füllst du deinen schlaf.
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