Sonntag, 13. Mai 2012

Tag #11




els calderers

die touristen kommen nicht erst am ende, in allen zimmern
hat jemand gelebt, in einem ist der frieden spürbar. nichts
ist ohne funktion, so wird berichtet, die gebrochenen hände
auf den tasten des klaviers führen sicher zu granaten und wein.
ein wechsel der jahreszeiten wäre denkbar, temperaturgefälle
zwischen den welten, aber satt wurde man schon immer und
noch heute geht man auf zwei beinen nach draußen. dort
mischen sich paarhufer unter zaungäste und anderes getier,
die busse mit laufendem motor warten auf geheime zeichen.


© Horlemann Verlag, 2013

Samstag, 12. Mai 2012

Tag #10


Mein bevorzugter Arbeitsplatz im Garten ist an keinem dafür vorgesehenen Ort. Ich schreibe drei Meter über einem Weg, auf vier kleinen Füßchen, hinter einem lockigen Vorhang.

windrichtung

um den kopf schreiben die fliegen geschichte
mit strähnen im gesicht und fern der augenpaare
aller nachbarn die erfunden wurden an diesem
klapptisch das bellen der hunde einer bestimmung
zuzuführen ein denken in verkehrter richtung
mit der windhose am steiß und einer gewöhnung
durch das haar hindurch zu schreiben so etwas
lässt sich nicht wieder umkehren zu hause werden
fön und ventilator im rücken aufzustellen sein

Freitag, 11. Mai 2012

Tag #9


alle tage

die löffel haben andere rundungen, passen nicht
in meinen mund. aber die pflanzen gewöhnlicher
als erwartet. ich kann nicht mehr ohne die glocken
der schafe. heute auch tagsüber der mond zu groß
am himmel: das stimmt so nicht, an jeder ecke
denke ich das. mir wachsen büsche aus den ohren
wie heu, der übergang von knorpel zu knochen
wird spürbar. auf der terrasse nun täglich ein toter
spatz, die aussterbenden arten setzen sich fort
in den gärten. was gäbe ich um das ausschwitzen
der lähmenden gifte, die in mir ihre kreise ziehen.


© Horlemann Verlag, 2013

Donnerstag, 10. Mai 2012

Tag #8


Im Garten steht ein merkwürdiges Gewächs, an dem rote Klobürsten wachsen. Jedenfalls erscheinen sie mir als solche. Für G. sind es Flaschenbürsten. (Was sagt das über mich aus, außer dass ich noch nie eine Flaschenbürste benutzt habe?)
Nun gut, ich habe soeben nach diesem Baum gegoogelt, und er heißt tatsächlich "Flaschenbürstenbaum". Also will ich heute mal albern sein.

ode an die bürste

dein bürstenschnitt aus der haushaltswarenabteilung
die heutige neueröffnung von lidl kann ausgelassen
werden auf dem berg ohne die sieben zwerge deine
kratzbürstigkeit in hundertfacher ausführung zwingt
den gärtner in die knie und rot ist mehr als eine farbe
wenn man dich gesehen hat will man keine anderen
pflanzen mehr neben sich haben und lidl erweitert
das sortiment um tomatenmarmelade und gala royal



Mittwoch, 9. Mai 2012

Tag #7


Ich bin froh, dass ich heute in Sineu den Tiermarkt nicht gesehen habe.
Und das Fohlen, das G. vor einigen Tagen unten am Weg in einer Koppel gesichtet hat, ist verschwunden. Vielleicht ist es im Stall. Auf jeden Fall aber ist es, als wäre es nie da gewesen.

hirngespinst

ich habe das neugeborene fohlen nicht gesehen, kann
kaum noch an seine existenz glauben neben dem müll
in den tonnen am straßenrand, dort kann man sich nie
verlaufen, immer nur stoppschilder überfahren, jedes
mal aufs neue, wenn man wollte, könnte man beinahe
alles an falsche orte bringen, ich stelle mein bett ganz
lautlos in den pool, wenn niemand hinsieht, und trage
den sekretär bis ans ende des grundstücks, das fohlen
wird in meinem schlafzimmer leben und sicher meine
letzten galletas fressen, an einem mittwoch werde ich
an meinem hunger sterben, es wird nicht weh tun, nur
so sein wie ein tritt auf einen kleinen stein mit bloßen
füßen, dieses ziehen aus der tiefe bis unter den spann

Dienstag, 8. Mai 2012

Tag #6




[...] aber die linse hält: den schmalen
meerstreifen vor der sandbank, sich abzeichnend
wie der arm jenes flusses, den man als kind
durchschwamm und dessen bild man heute abruft
als langfristig abgespeicherten rückblick, der in
verfälschten proportionen die erinnerung durchfließt

Montag, 7. Mai 2012

Tag #5


zeitfenster

kein gegenstand der mir heute nicht
unter den händen zu etwas anderem wird
wie luftmassen gestapelt im tag oder
stille die sich sammelt in einem zeitfenster
und durch die haut nach innen wächst
ein kalter dorn bei 25 grad kein wort
das heute nicht an meinen lippen fremdelt
wie du mir fehlst würde ich sagen wenn
du greifbar wärst und stell mir vor wie
dein erinnern jetzt an meinen zeilen hängt
während du denkst sie ist nicht hier doch
kehrt vielleicht als eine andere zurück


© Horlemann Verlag, 2013

Sonntag, 6. Mai 2012

Tag #4


Heute ist ein Regentag. Aber das macht nichts, denn gestern habe ich in Can Picafort meine Lieblingsschokolade gefunden, die ich in Hamburg schon seit Jahren nicht mehr bekommen habe. "Mint Intense" von Lindt.

malen nach zahlen

die akkurat geschnittenen gewächse an öffentlichen
plätzen verfolgen mich bis in den tiefsten schlaf

meine ordnung ist nicht genug für diesen teil
der welt und selbst der regen hat einen plan

ich verliere die orientierung in manchen
atempausen
wo der rote faden einfach verloren geht

jemand hätte mir von den stimmen der vögel
erzählen müssen und von den fremden farben

und dass die landschaft zerbricht unter den masten
der telegrafen die jeden punkt mit anderen verbinden

© Horlemann Verlag, 2013


Samstag, 5. Mai 2012

Tag #3


Der Hahn hört heute nicht mehr auf zu krähen. Vielleicht möchte er gerne das Meer sehen. Oder irgendeinen anderen Ort, an den er nicht gelangen kann.

eingewöhnung

die armbanduhr ans messer liefern so könnte
selbst die hand noch schlafen wenn der tag
zu ende geht ein totes ding auf brust auf hüfte
oder bauch der wegweiser in den sturm es gibt

ein morgen doch die vorräte unter der zunge
sind aufgebraucht fast alles ist wieder denkbar
wenn die minuten fehlen die stunden an der
sonne bemessen werden es kann geschehen

in den schatten der wolken dass dieser berg
ausgegraut wird an stellen die allem anderen
unzugänglich sind selbst der beschreibung
wie sehr es schmerzt sie niemals zu erreichen


© Horlemann Verlag, 2013

Freitag, 4. Mai 2012

Tag #2


Sa Pobla hat eine Kirche. Wir haben sie allerdings nicht gefunden. Macht aber nichts, denn es gibt ja noch das Rathaus, das wie eine Kirche aussieht.

stadt ohne kirche

seit heute kann ich meinen augen nicht mehr
trauen. das haus mit dem wind an jeder ecke
fasst mich im nacken, wo der reiseführer keine
empfehlung macht. dort siegt der baumpilz
über den löwenzahn, das essen steht nicht
auf der karte, die tropfsteine kommen zu spät
oder bleiben eine illusion. wer könnte mir nun
glaubhaft versichern, dass ich hier war, es gibt
keine beweise, nicht mal indizien, kein bild eines
lächelns auf der kamera mit passendem datum.


© Horlemann Verlag, 2013

Donnerstag, 3. Mai 2012

Tag #1


Die erste Nacht in einem neuen Bett wird überschätzt. Man schläft schlecht, und dabei ist es ganz egal, wie toll das Bett ist oder wie grandios die Umgebung. Die erste Nacht in einem neuen Bett ist schräg. Selbst wenn das Bett gerade ist, scheint es immerzu zu kippen.

orte an denen man aufwacht

orte an denen man aufwacht
in der nacht wenn man sich nicht
erinnert wo das bett zu ende ist
oder wie ein regen sich anhört

orte an denen der schlaf reift
zu dem was du bist und deine
zunge im mund dir fremder wird
als jede einzelne deiner lügen


© Horlemann Verlag, 2013

Mittwoch, 11. April 2012

28 Tage Mallorca - 28 Gedichte


Dank eines Stipendiums der Hamburger Kulturbehörde verbringe ich den Mai gemeinsam mit dem Schriftsteller Gunter Gerlach in inspirierender Abgeschiedenheit auf dieser wunderschönen mallorquinischen Finca. Ich hatte mich um das Stipendium mit einem Lyrikprojekt beworben. Um mich davon abzuhalten, vor Ort dann doch wieder gänzlich auf Prosa umzuschwenken, habe ich vor, an jedem vollständig auf Mallorca verbrachten Tag ein Gedicht zu schreiben und am selben Tag ein paar Zeilen daraus in meinem Blog zu posten. In der Regel werden es nicht die kompletten Gedichte sein, denn es soll ja noch jemand meinen nächsten Lyrikband kaufen, sofern nochmal einer erscheint. Jawohl. Da kenn ich nix.

Es müsste in der Finca inzwischen einen Internetzugang geben, dessen Funktionstüchtigkeit bislang allerdings nicht bestätigt werden konnte. Wenn in meinem Blog also ab dem 3. Mai keinerlei Lyrikbrocken auftauchen, dann bin ich entweder leider doch ohne Internet - oder mit dem Flugzeug abgestürzt.

Montag, 19. März 2012

O-Töne im Deutschlandradio


Für die Sendung "Noch dreieinhalb Tage bis zum Jüngsten Gericht - Schulamokläufe im Roman" wurde ich vom Deutschlandradio interviewt. Mein Roman "Nach dem Amok" wird als Beispiel für eine literarische Bearbeitung des Szenarios "School Shooting" für jugendliche Leser vorgestellt.

Sendetermin:
Deutschlandradio Kultur
10. April 2011, Beginn 19.30 Uhr

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/literatur/1673178/


NACHTRAG: Unter dem v.g. Link ist jetzt auch das Manuskript mit dem genauen Wortlaut der kompletten Sendung eingestellt. Neben meinem Buch wurden Werke von Ines Geipel, Joachim Gärtner und Clemens Meyer vorgestellt.

Freitag, 10. Februar 2012

Fötus im Fahrstuhl











Montag, 23. Januar 2012

Tom Lüneburger // Lights


... one more little step and just expect the best ...

Ich besitze das am vergangenen Freitag erschienene Album "Lights" ja gar nicht. Ich glaube allerdings, dass dies nicht so bleiben wird. Spätestens seit dem gestrigen Konzert im LOGO glaube ich das. Klavier, Gitarre, Stimme. Mehr brauche ich nicht, um mich an solch einem Abend wohl zu fühlen *. Vorausgesetzt, die richtigen Leute befinden sich auf der Bühne, und das war der Fall.

Meine erklärten Lieblinge auf dem "Lights"-Album: "Don't Lose Heart" und "The Driven Man".

Und natürlich "Tonight" - ein Song, der seinerzeit bereits auf dem Album "Perfect View" von Myballoon zu finden war, der aber in der neuen Version noch um einiges intensiver rüberkommt. Live sowieso: Stimme und Klavier. Tom und Stoffel. Einfach nur wunderbar.





* unterschlagen wurden der liebgewonnene Begleiter, das Glas Rotwein sowie die vorhandenen Sitzgelegenheiten

Montag, 28. November 2011

Jahreslesung des Forums Hamburger Autoren


Wie jedes Jahr gibt es am ersten Freitag im Dezember die Jahreslesung des Forums Hamburger Autoren. Diesmal ohne Jahrbuch. Aber mit vielen Lesenden, u.a. mit mir.

Die Jahreslesung findet am Freitag, den 2. Dezember (20 Uhr) im Kulturhaus Eppendorf statt. Eintritt 5,-/4,- Euro, Süppchen inklusive.

Montag, 21. November 2011

Leserpreis 2011 - Shortlist


Mein Buch wurde für den Leserpreis 2011 bei LovelyBooks nominiert (in der Kategorie
"Kinder-/Jugendbuch").

Die Abstimmung läuft nur wenige Tage, und ich freue mich über eure Stimme!

Die Shortlist findet ihr hier:




NACHTRAG: Danke für einen kuscheligen 22. Platz! Wie viele Stimmen brauchte man wohl dafür? Ich war ja bereits erstaunt, als es das Buch unter die 35 Nominierungen auf der Shortlist geschafft hat. Immerhin hatte ich es zuvor selbst vorschlagen müssen, weil das noch kein anderer getan hatte - und ich dachte daher, es bekäme nicht viel mehr als diese eine Stimme. :-) Bei der endgültigen Abstimmung habe ich mir die Teilnahme dann sogar ganz verkniffen. Das Ergebnis freut mich riesig, und wenn man bedenkt, dass "Nach dem Amok" längst nicht so bekannt ist wie viele andere der nominierten Jugendbücher, ist es gleich nochmal so schön...

Montag, 3. Oktober 2011

Netzirrtümer


Im Laufe der Jahre haben sich so einige Informationen zu meiner Person im www angesammelt, die nicht den Tatsachen entsprechen. Aus Spaß an der Freude kommen nun an dieser Stelle die Berichtigungen:

*** MK ist Wahlhamburgerin (Quelle: Titel-Magazin)
Ich kam hierher wegen meines Jobs und bin nach wie vor deswegen hier. Auch gibt es inzwischen ein paar Menschen, die mich an diese Stadt binden. Aber macht das eine "Wahlhamburgerin" aus? An Hamburg hing nie mein Herz, und das wird es wohl auch nie tun.

*** MK ist Finanzbeamtin (Quelle: Westfälische Nachrichten)
Ich gebe zu, an dieser Fehlinformation bin ich nicht ganz unschuldig. Auch wenn ich in dem damaligen Interview nicht behauptet habe, Finanzbeamtin zu sein, so habe ich doch einen ziemlichen Eiertanz vollführt, um mich an meiner tatsächlichen Arbeitstätigkeit "vorbeizureden". Die geistert zwar sicher eh irgendwo im Netz herum, aber danach sucht ihr jetzt mal schön selber. Kleiner Tipp: Ich bin keine Landes-, sondern Bundesbeamtin.

*** MK veröffentlichte in den Freiberger Leseheften (Quelle: Wikipedia)
Tatsächlich verhält es sich so, dass man dort ein Gedicht von mir veröffentlichen wollte. Nachdem ich zu diesem Zeitpunkt aber bereits die Rechte an dem Gedicht im Rahmen einer damals anstehenden Buchveröffentlichung an einen Verlag abgetreten hatte (der mit der Vorab-Veröffentlichung in den Freiberger Leseheften einverstanden gewesen wäre), hatte man bei den Freiberger Leseheften aufgrund dieser Gegebenheiten kein Interesse mehr an dem Gedicht.

Dies sind nur jene Netzirrtümer, die mir jetzt spontan ins Gedächtnis kamen. Die Liste wird ggf. ergänzt, und spätestens in ein paar Jahren dürfte es aufgrund neu hinzugekommener Unstimmigkeiten ohnehin Zeit sein für die "Netzirrtümer II"... Ob ich dann noch in Hamburg wohne?

Dienstag, 6. September 2011

tinnitus, tag vierhundertneunundsechzig

[...]
überhaupt ist dies die rechtfertigung
für vieles: das aufgeben als kombinierten
zufallsvorgang zu betrachten eine wieder
und wiederholung die man leugnet wie
das nägelkauen oder eine gängige phobie

Mittwoch, 24. August 2011

Lochfraß



Urlaubsblätterwald