Donnerstag, 1. August 2013

Weichspülerfrösche


Früher war die TV-Werbung zwar auch nicht unbedingt besser als heute, aber immerhin eingängiger. Da gab es in unverdünntem Geschirrspülmittel badende Hände, in Milch schwimmende Schokoriegel, und die Ergiebigkeit des Weißen Riesen wurde anhand schneeweißer Bettlaken demonstriert, die an endlos langen Wäscheleinen über grüne Wiesen flatterten. Das versteht man. Das behält man im Kopf. Und dass die dazugehörigen Werbetexte in korrektem Hochdeutsch formuliert daherkamen, war eigentlich nur eine nette Beigabe.

Heute fehlen sie meist, die eingängigen Bilder. Was aber noch viel schlimmer ist, man muss die Texte erst einmal übersetzen. Englisch, das keines ist, stellt hierbei noch das geringste Problem dar, deshalb will ich darauf auch gar nicht näher eingehen. Viel gravierender verhält es sich nämlich im Bereich der deutschen Sprache. Dass "so 'ne fettige Fanne" niemand freiwillig spült, ist kein Wunder. Wenn die Muskulatur im Mund schon derart träge ist, dass sie kein 'Pf' mehr artikulieren kann, wie muss es dann erst um die Hände bestellt sein!

Dramatisch für das beworbene Produkt wird es allerdings, wenn die schludrige Aussprache kontraproduktiv zur beabsichtigten Werbewirkung ist. Wer möchte denn bitteschön, wie Spee es propagiert, jede Menge "Weichspülerfrösche" in seiner Wäsche haben? Da kommen Bilder auf, die schon einen gewissen Ekelfaktor haben.

Ach, übrigens... Dove ist jetzt ganz toll, denn "es enthält Deep Care Complex". Mein erster Gedanke war: Da fehlt doch Artikel, oder? Wenn Dove den oder einen Deep-Care-Complex enthielte, könnte ich damit leben. Aber kann etwas Komplex enthalten? Wenn das stimmt, kriege ich Komplexe.

Doch der gewiefte Leser hat es sicher längst bemerkt: Diese Art der Werbung hat bei mir zweifelsohne ihr (hinter)listiges Ziel erreicht. Pril, Spee und Dove sind in meinem Kopf - und dort nicht mehr wegzudenken. Eine seltsame Aussprache, ein fehlendes Wörtchen im Text, und schon horche ich auf. Wenn dieses Prinzip erst mal die Süßwarenhersteller spitzkriegen, wird es gefährlich. Bei Süßkram kaufe ich nämlich, im Gegensatz zu Waschmittel, Spülmittel und Körperpflegeprodukten, oftmals mehr als nur eine Packung auf Vorrat.

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